Liebe Paten und Freunde von Martmany,

nach 17 Tagen in Lima möchte ich kurz von meinen Eindrücken bei Martmany berichten.

Ich lerne immer wieder etwas dazu, z.B. dass es kaum möglich ist, im März einen Ausflug zu planen….? Zum ersten Termin hatten sich nur 8 Kinder angemeldet!!! Grund: Die Familien hatten wegen des Schulbeginns im März keinerlei Geld, um ihren Anteil an den Kosten zu bezahlen. Am 30. März war es dann möglich, mit etwas über 100 Personen in einen Freizeitclub mit Swimmingpools, Spielplatz usw. zu fahren. (Da war das Gehalt für Eltern mit Arbeit eingetroffen.) Leider verletzte ich mir beim Ausrutschen auf der Pooltreppe den Fuß und konnte bis zu meiner Abreise zwei Tage später kaum laufen. Alle haben sich sehr lieb um mich gekümmert, aber ich war ziemlich gehandicapt. Daher konnte ich auch keine Fotos von den Behausungen der Kinder am Berg mehr machen. Zum Glück hat sich in Berlin gezeigt, dass nichts gebrochen ist. Schmerzen habe ich aber immer noch.

Bei Martmany sind wieder etwa 80 Kinder und Jugendliche eingeschrieben, die aber nicht täglich kommen können, jedenfalls nicht die Oberschüler. Dazu fehlen der Platz und die Betreuung. Ich habe versucht, vielen Kindern einige Informationen zu ihren Paten zu geben, damit sie ein wenig von den Menschen in Deutschland wissen, die sie unterstützen.

Leider sind wir mit den notwendigen rechtlichen Schritten überhaupt nicht vorangekommen. Der Notar der deutschen Ordensfrau, Schwester Mathilde, die uns unterstützt, hat die Papiere nicht in die öffentlichen Register eintragen lassen, da er sich um seinen schwerstkranken Vater kümmern musste. Allerdings hatte er die Dokumente auch erst sehr spät bekommen. Nun müssen die Papiere zu einem anderen Notar. Alles muss neu gemacht werden!!!. Die schon lange zurückgetretene Juana Cuba muss weiter alle Schecks unterschreiben, Ihre Tochter macht alles andere, darf aber nicht unterschreiben. Und ich hatte geglaubt, nun wäre alles erledigt und der neue Vorstand könnte arbeiten….

Ein Großteil des Lebens in Lima besteht aus Warten, es kann auch das Warten auf einen Bus sein, in den ich mich hineinquetschen kann….Vor einigen Jahren war ich vom Bussystem des Metropolitano begeistert, denn durch eine eigene Spur steckt er nicht dauernd im Stau. Mittlerweile sind die Busse so voll, dass es oft nicht möglich ist, einzusteigen. Das ist definitiv in den letzten Jahren schlechter geworden.

Falls man krank ist, wird das Warten noch schlimmer, zeitweilig auch lebensgefährlich. Luz, eine junge Mitarbeiterin, wartete drei Tage mit Wehen auf ein Bett zum medizinisch notwendigen Kaiserschnitt, es gab in den Krankenhäusern der Versicherung keine freien Betten. Zum Schluss musste sie in eine private Clinica gehen, die Entbindung kostete mehr als drei Monatsgehälter Mindestlohn!!!! Alle Ersparnisse waren weg, so schnell geht das…..Es ist ein schwacher Trost, dass früher alles noch schlimmer war, als es gar keine Krankenkasse gab. Offiziell ist Peru ein aufstrebendes Land, aber es kommt nur sehr wenig bei den Armen und auch bei den weniger verdienenden Menschen an. Dafür ist das Fernsehen voll von Berichten über Korruption und Verbrechen. Viele Kongressmitglieder sind wegen Korruption angeklagt. Auf den Straßen im Zentrum sah ich Werbung: „ Ich beachte unsere peruanischen Werte: Ich besteche nicht und nehme keine Bestechungsgelder an.“ Das ist ein hehres Ziel! Die Realität sieht oft anders aus.

Bei Martmany fühlte ich mich wohl und fand vieles schön:

Die Atmosphäre dort ist freundlich, die Kinder und Jugendlichen scheinen sich wohlzufühlen, die Mitarbeiterinnen geben sich große Mühe und behandeln Kinder und Mütter gut. Viele Mütter kommen zu den monatlichen Treffen. Im Team versteht man sich und arbeitet zusammen, das war nicht immer so.

Mehrere Jugendliche haben die Oberschule mit guten Noten beendet. Ein Mädchen hat die Aufnahmeprüfung für ein sehr gutes Internat für mittellose Kinder bestanden, dort wird sie sehr gut gefördert werden.

Die kleinen Kinder lieben den Spielplatz im Raum unten und wollen am liebsten länger bleiben, die Großen spielen nach dem Lernen noch etwas Ball auf dem Dachspielplatz. Mit den Müttern gab es zwei Treffen. Wir aßen und tranken zusammen, leider wurde nicht getanzt, weil die kleine Musikanlage seit Weihnachten kaputt ist. Beim Müttertreffen mit einem Zahnarzt war ich etwas schockiert, als er sagte, man müsse immer 10 Minuten lang die Zähne putzen… Ich traf einige ehemalige Patenkinder und ihre Familien sowie eine frühere Mitarbeiterin. Sie schwärmen noch von ihrer Zeit in Martmany. Schwester Mathilde kam zu uns, um das weitere Vorgehen für Martmany zu besprechen.

Einige Kinder machen mit finanzieller Unterstützung von Martmany eine Sprachtherapie und es sind schon Erfolge zu sehen. Alle Kinder sind krankenversichert. das ist eine Aufnahmebedingung.

Es soll Flötenunterricht angeboten werden. Ein Lehrer hielt eine Probestunde, es gefiel den Kindern sehr. Die Oberschüler wünschen sich Gitarrenunterricht, den derselbe Lehrer geben kann. Falls es ihnen gelingt, sich Gitarren zu besorgen, können wir darüber reden. Der Unterricht ist nicht sehr teuer. Am Anfang müsste Martmany die Kosten ganz übernehmen, dann sollen sich die Familien beteiligen. Mal sehen, ob das klappt.

Was soll in nächster Zeit erreicht werden?

Wir brauchen eine Lehrerin für eine Gruppe von Erstklässlern, wir benötigen auch einen neuen Mathelehrer. Martmany soll Kontakt mit einer katholischen Kirchengemeinde aufnehmen, in der es Aktivitäten gibt.

Der Leitungswechsel bei Martmany muss endlich in die offiziellen Papiere beim Staat aufgenommen werden.

Die Genehmigung der Arbeit durch die Defensa Civil fehlt immer noch, da der Bürgermeister gewechselt hat.

Martmany braucht neue Paten und Unterstützer, sonst reicht das Geld in der Zukunft nicht.

Ich möchte mich irgendwann zurückziehen und eine Organisation finden, die die Finanzierung übernehmen kann.

Vielleicht möchte jemand unser Musikprojekt finanziell fördern?

Viele Grüße, ganz herzlichen Dank für die Unterstützung, ohne die es Martmany nicht geben würde.

Susanne Stiegert-Krumhauer

Martmany Konto IBAN: DE28 1008 0000 0408 7409 01

   
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